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Daseinsanalyse und Methode

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Die Daseinsanalyse (phänomenologisch-psychoanalytische Psychotherapie) und ihre klinisch-therapeutische Methode


Abschnitt 1: zur Daseinsanalyse

Abschnitt 2: Wirkweise

Abschnitt 3: Anwendungsgebiete


Zur Daseinsanalyse

Die Daseinsanalyse (DA) ist eine analytisch - tiefenpsychologische Therapieform und stellt eine  Form der Psychoanalyse mit speziellen Schwerpunkten wie Sprache und Phänomenologie dar. Die gemeinsame Basis zwischen Daseinsanalyse und Psychoanalyse erklärt sich aus ihrer Historie. Die Daseinsanalyse ist eine seit Jahrzehnten bekannte Therapieschule,  die  international verankert ist und umfasst  zur Zeit 11 Gesellschaften die in der IFDA (International Federation of Daseinsanalysis) zusammengefasst sind.

Als Abkömmling der Psychoanalyse ist das Daseinsanalytische Institut Mitglied der Internationalen Vereinigung Psychoanalytischer Gesellschaften (IFPS).

Die DA kann gut mit anderen bestehenden Richtungen kombiniert werden, z.B. mit der Systemischen Therapie, der Verhaltenstherapie, der Kathatym Imaginativen Psychotherapie etc..

Die DA als Therapierichtung ist unabdingbar mit ihrem philosophischen Hintergrund verknüpft. Der philosophische Hintergrund ist die Daseinsanalytik Martin Heideggers, d.h. die existenzielle Erkenntnis über den Menschen. Diese hat sich bereits Ludwig Binswanger 1947 in seinen Therapien vor allem mit Schizophrenen zu Nutze gemacht. Binswanger gilt als der erste Begründer der Daseinsanalyse als Therapierichtung. Er nannte sie damals eine "Phänomenologische Anthropologie".

In Zusammenarbeit mit Heidegger persönlich hat dann Medard Boss, ein Kollege von L.Binswanger,  im "Grundriss der Medizin und der Psychologie” 1965 Theorie und Praxis  einer daseinsanalytisch orientierten Psychotherapie dargelegt. Medard Boss war ein direkter Schüler von Sigmund Freud.

Von den psychoanalytischen Techniken hat die daseinsanalytische Psychotherapie vor allem die Traumauslegung als Mittel zum Zugang des "Unbewussten" übernommen, daneben die Deutung der Beziehung zwischen Therapeut und Patient (die sog. Übertragung) und das Durcharbeiten der Lebensgeschichte. Aufgrund des theoretisch/philosophisch anderen Hintergrunds der Daseinsanalyse ist die Methodik bei der Deutung der Träume, der Übertragung und der Lebensgeschichte eine andere. Die phänomenologisch-psychoanalytische Arbeitsweise ist geprägt vom freien Sprechen der Klienten und dem gleichschwebenden Zuhören der Analytikerin/ des Analytikers – und damit eng verbunden – von der Beziehung (Übertragung). Besonders wird dabei auf die jeweilige "Sprache" der Klienten geachtet, darauf, was, wie gesagt wird. Diese Äusserungen werden phänomenologisch ausgelegt.

Die Daseinsanalyse ist wie die Psychoanalyse eine Langzeittherapie, kann aber wie diese als psychodynamische Kurzzeittherapie je nach Problemstellung auch durch ihre spezielle Methode in Fokal- und Kurztherapien angewendet werden.

Das Wirksamkeitsprinzip bleibt das gleiche.

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Wirkweise der phänomenologisch-psychoanalytischen Therapie

Ressourcenaktivierung

Die Klientin/ der Klient wird in seinen positiven Zielen und Fähigkeiten erkannt, bestätigt und unterstützt und  fühlt sich verstanden. Das wird erreicht aufgrund der Methode der Phänomenologie und dem Umgang durch die und mit den Existenzialien. Im Speziellen durch das Existenzial des Mit-seins in der besonderen Form der  therapeutischen Beziehung.  Aufgrund der phänomenologischen Haltung fühlen sich Patienten besser verstanden und nicht in eine hierarchische Ordnung- Arzt- Patient hineingeklemmt.  Da Phänomenologie nicht umdeutet, sondern auf den Kern, das Wesen der Sache zielt, wird nicht am Klienten "vorbeitherapiert". Die Individualität des Einzelnen wird durch Auslegen aller Existenzialien gestaltet. Die Ressourcenaktivierung erfolgt durch das Einbeziehen der Lebensgeschichte und Herausfinden, wann etwas gekonnt wurde und unter welchen Umständen... z.B. durch die bekannte daseinsanalytische Frage:  "Warum eigentlich nicht (anders)?" und die Durcharbeitung der Beantwortung dieser Frage.

Problemaktualisierung

Die Problemaktualisierung geschieht durch das Durcharbeiten der Lebensgeschichte, die "Übertragung" wird bearbeitet, Gefühle  kommen hoch, wenn man sie "zur Sprache" bringt.  Die DA arbeitet da besonders mit dem Existenzial "Sprachlich-sein". Das spezielle Setting der DA bietet einen geschützten Rahmen – einen "Tummelplatz" zum Ausprobieren. Generell geschieht die Problemaktualisierung durch das Auslegen von Sprache und den ihr zugrunde liegenden metaphorischen Handlungs- und Selbstkonzepten, die erfahrbar sind in Träumen und Beschreibungen von (psychosomatischen) körperlichen Symptomen.

Motivationale Klärung 

Die Motivationale Klärung ergibt sich durch Erweitern und Ordnen des in den Sitzungen Ausgelegten und Anbieten von Alternativen. Durch die Auslegung ergibt sich ein besseres Verstehen, welches die Motivationen der Klientin/des Klienten sind, weshalb sie/er so und nicht anders empfinden kann und  wie sie/er sich verhält. Durch die so gewonnene grössere Klarheit über sich selbst wird eine bessere Selbstakzeptanz erreicht. Man wird durch die "Warum-eigentlich-nicht" Frage ermuntert, auch ausserhalb der Therapie im Alltag neue Denk- und Handlungsweisen zu erproben. 

Problembewältigung 

Die Klientin/ der Klient wird darin unterstützt, mit bestimmten Problemen besser fertig zu werden, (z.B.  über etwas reden, das schwerfällt, sich wehren, statt sich immer anzupassen...) In der DA  wird das  Ziel dadurch erreicht,  dass das, was vorgängig im geschützten Analyserahmen besprochen wurde, nun auch im Alltag gelebt werden kann – z.B. die Angst zu  einer eigenen Meinung vor anderen zu stehen. Solches wird durch die "Grundregel" erfahrbar gemacht –  eine Erfahrung, dass beim Therapeuten da nichts passiert – man kann und darf alles sagen, es gibt keine Wertungen und keine Sanktionen.

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Therapeutische Anwendungsgebiete

Die vielfältigen Manifestationen von Angst, Depression, Aggression, Zwängen, Störungen der Beziehungs- und Arbeitsfähigkeit, des sexuellen Erlebens, des Selbsterlebens und des Realitätsbezugs wie auch die psychosomatischen Beschwerden fallen in den Indikations und Kompetenzbereich der phänomenologisch-psychoanalytischen Therapie. Auf Grund ihres philosophischen Hintergrunds und der ihr eigenen Methode der phänomenologischen Hermeneutik eignet sich die DA besonders für:

  • Schizophrenien
  • Störungen aus dem affektiven Formenkreis
  • Borderlinestörungen
  • Angst und Zwangsstörungen
  • Psychosomatische Erkrankungen
  • Essstörungen
  • Für Kinder – und Jugendliche
  • Für alte Menschen und als Sterbebegleitung
  • Für fremde Kulturen

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